TAFTER cultura è sviluppo: Romy Campe und die Kunst des Erfolgs

Romy Campe geht nach New York – so titelt die Broschüre, die am Abend des 13. Mais 2011 in den Räumen von KUNSTLEBEN BERLIN, Hauptstr. 31, 10827 Berlin, ausliegt. Der Abend eröffnete die Ausstellung mit dem eloquenten Titel „BerlinNew York“, die vom 13. bis 30. Mai bei Kunstleben Berlin stattfand. Anlässlich der ersten Solo-Ausstellung der Künstlerin in Manhattan zeigt sie ihre Bilder vorher in Berlin. Dabei wurden nicht nur die neuen Werke Romy Campe‘s gezeigt. Die Ausstellung erlaubte vielmehr einen tiefen Einblick in die reiche Erfahrungswelt der jungen Künstlerin.

Italienische Kunst- und Kulturzeitschrift.
Ausgabe vom 13.07.2011

Original Artikel

Übersetzung in Deutsch

KUNSTLEBEN BERLIN: Romy Campe und die Kunst des Erfolgs

13.07.2011

Die Bedeutung der sozialen Netzwerke nimmt zu – auch für Künstler

Romy Campe - EUPHORIA

EUPHORIA 65 x 73 cm mixed media on canvas

Romy Campe geht nach New York – so titelt die Broschüre, die am Abend des 13. Mais 2011 in den Räumen von KUNSTLEBEN BERLIN, Hauptstr. 31, 10827 Berlin, ausliegt. Der Abend eröffnete die Ausstellung mit dem eloquenten Titel „BerlinNew York“, die vom 13. bis 30. Mai bei Kunstleben Berlin stattfand. Anlässlich der ersten Solo-Ausstellung der Künstlerin in Manhattan zeigt sie ihre Bilder vorher in Berlin. Dabei wurden nicht nur die neuen Werke Romy Campe‘s gezeigt. Die Ausstellung erlaubte vielmehr einen tiefen Einblick in die reiche Erfahrungswelt der jungen Künstlerin.

Romy Campe, geboren 1972, lebt und arbeitet seit 2006 als Malerin und Kulturmanagerin in Berlin. 2010 gründeten sie und ihr Partner Manfred Schulzke, auch Maler, bekannt unter dem Künstlernamen MASCH, den Kunstsalon KUNSTLEBEN BERLIN. Hier finden Ausstellungen statt und es werden Performances von Künstlern aus der ganzen Welt gezeigt. Außerdem gehen von dem Salon verschiedenste künstlerische Impulse und Initiativen aus. Es geht nicht nur um Malerei und Bildhauerei. Wir möchten Kunst mit Kultur verbinden, so Romy, und damit eine Alternative darstellen zur traditionellen Galerie. Vor Jahren geboren ist diese Idee über die Zeit gereift und jetzt Realität geworden. Inzwischen ist der Salon ein wichtiger Ort auf der kulturellen Landkarte Berlins und aus dem jungen und kreativen Berlin nicht mehr wegzudenken.

Berlin ist die deutsche Hauptstadt der Kunst. Für Künstler aus Europa und der ganzen Welt ist sie eine der attraktivsten Städte – auch, weil in keiner anderen europäischen Hauptstadt die Lebenshaltungskosten so niedrig sind wie in Berlin. Dennoch: auch hier ist es schwierig von Kunst zu leben und Kultur zu gestalten. Romy Campe kam 2006 nach Berlin. Nachdem sie als Künstlerin und Galeristin in Bochum, Koblenz und Hannover gelebt und gearbeitet hatte. Von Beginn an war Romy klar: In Berlin muss man anders vorgehen als in Koblenz oder Hannover, um als Künstlerin wahrgenommen zu werden und Erfolg zu haben. Außerdem hat sie ihre Erfahrung in Hannover, wo sie in einer Galerie gearbeitet hat, zu der Überzeugung gebracht, dass sie es anders machen möchte. „In einer traditionellen Galerie oder auch auf Kunstmessen wird Kunst gehandelt. Wie bei jedem anderen Handel mit beliebigen Produkten geht es um das Geschäft.“ Romy wollte keine traditionelle Galerie eröffnen, sondern eine, die mit Leben gefüllt ist. „Ich fühle mich mehr als Künstlerin denn als Händlerin.“ Dieser Gedanke brachte sie und ihren Partner MASCH nach Berlin. In Berlin angekommen mieteten sie ein 200qm großes Apartment in dem Künstlerbezirk Schöneberg an, renovierten es eigenhändig und der „Kunst-Salon“ war geboren.

Wie viele andere europäische Hauptstädte, Paris, Rom oder Prag für Osteuropa, ist Berlin die Stadt tausender kultureller Projekte und Billionen kreativer Ideen. Gleichzeitig besteht bei der öffentlichen Hand ein chronisches Defizit, das sich besonders im kulturellen Bereich niederschlägt: nur wenige der guten Ideen und interessanten Projekte können finanziert werden. Zudem gibt es im Berliner Kunstsektor große Konkurrenz auf hohem Niveau: in der Stadt gibt es mehr als 800 Galerien. Es eröffnen ständig neue und schließen alte. Nur wenige von Ihnen sind über längere Zeit aktiv und viele sind spezialisiert auf besondere Kunstformen für ausgewählte Kunden. Romy Campe: „Wer in Berlin ankommt ohne ein ausgearbeitetes Projekt und die entsprechenden Kontakte begegnet unendlichen Schwierigkeiten. Mit Kunst zu handeln bedeutet, dass man den Rhythmus der Stadt verstehen muss. Außerdem sollte man gute Beziehungen zur lokalen Wirtschaft und zur Verwaltung pflegen. Potentielle Kunden sind natürlich zentral. Da es für mich ein Sprung ins kalte Wasser war, bin ich Schritt für Schritt vorgegangen. Zuerst habe ich versucht Kontakt mit anderen Künstlern aufzubauen. Meine Idee war, dass ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrung meinen ganz eigenen Raum schaffen kann, der es mir ermöglicht, meine Kreativität zu entwickeln und als Künstlerin zu leben. MASCH und ich wollten unseren „Kunst-Salon“ so schnell wie möglich etablieren.

Auf meiner Suche nach neuen Kontakten in der Stadt begegnete ich nicht nur Malern und Bildhauern sondern lernte auch die Schriftsteller, Musiker, Tänzer und Schauspieler Berlins kennen. Sie waren begeistert von der besonderen Atmosphäre in unserem „Atelier“ und schlugen uns vor, das Ganze auszubauen und zu professionalisieren. So bekam unser Salon nach und nach einen ganz besonderen Charakter. Es wurde zu einem Ort künstlerischen Austauschs und einem Raum für die Künste – von Musik über Schauspiel bis zu Performances. Unser Kunst-Salon ist keine weitere Galerie, die Bilder zeigt – etwas, das bei 800 Galerien in der Stadt sowohl Künstler als auch Kunstinteressierte langweilen würde. Unser Salon ist ein Raum für die Künste. Wir haben wechselnde Ausstellungen. Es hängen immer Bilder an der Wand. Gleichzeitig gibt es Jazzkonzerte, neue Bücher werden vorgestellt, es findet eine Performance statt… Unsere Besucher können entspannt bei einem Glas Wein der Musik zuhören und über das neue Bild an der Wand diskutieren. Der Kunstsalon lebt. Ein Raum für die Künste. Ein Konzept, das ankommt.

Heute und auch in Zukunft werden die sozialen Netzwerke immer wichtiger für die berufliche Entwicklung jedes Einzelnen aber auch den Aufbau eines Geschäfts. Sie haben sich in den letzten Jahren enorm entwickelt: von Medien, die für das private Leben und die private Kommunikation entwickelt wurden hin zu zentralen Werkzeugen für den professionellen Austausch. Um bekannt und sichtbar zu sein und sich berufliche Netzwerke aufzubauen ist es heutzutage unerlässlich, sich online in Portalen wie XING und Facebook zu bewegen. Romy Campe: „Mein heutiges Netzwerk ist dadurch entstanden, dass ich – neu in Berlin – Kontakt zu anderen Malern und Künstlern gesucht habe. In relativ kurzer Zeit hatte ich mehr als 6000 Kontakte – allein durch meine Suche im Netz. Ich begann mit XING, einem beruflichen Netzwerkportal. Wenig später arbeitete ich auch mit Facebook. Neben den Netzwerken haben wir natürlich weiterhin unsere „traditionelle“ Website, auf der wir über uns und unsere Veranstaltungen informieren.

Romy Campe ist online – das macht einen großen Teil ihrer Aktivitäten aus. Über die Netzwerke kommuniziert sie mit vielen Individuen gleichzeitig – Künstlern und Kunstinteressierten – sie sind die erste Adresse für „Kunstleben Berlin“ sind. Die Strategie dahinter ist leicht zu verstehen: durch bestehende Kontakte entstehen neue Ideen und Projekte – und manchmal – wenn das Schicksal mitspielt – können mit ihrer Hilfe auch die ehrgeizigsten Ziele erreicht werden.

Romy Campe: „Die sozialen Netzwerke werden immer wichtiger. Meiner Meinung nach haben Künstler und Galerien das enorme Potential dieser neuen Technologie noch nicht wirklich verstanden – im Gegensatz zu anderen Bereichen von Kultur und Wirtschaft. Aber es gibt immer Künstler und Galerien, die auch online zu finden sind. Meine neue Ausstellung in New York, in einer Galerie im Westen Manhattans, die „Skylight Gallery“, 538 West 29th Street, NY 10001 – sie ist der Hauptgrund für diese kurze Ausstellung in Berlin – ist eine typische „Social Media Story“. Der Kontakt wurde durch einen Künstler vermittelt, mit dem ich vor 5 Jahren einmal an einer Online-Ausstellung teilgenommen hatte. Danach wechselten wir nicht mehr als ein paar Worte über Facebook. Als die amerikanischen Galeristen nach deutschen Künstler suchten, die sie in einer Gemeinschaftsausstellung in den Vereinigten Staaten präsentieren könnten und meine Arbeiten im Netz sahen waren sie begeistert. Sie boten mir sogar an, mich dauerhaft in den USA zu vertreten. Der Künstler von damals hatte mich empfohlen.

Romy Campe

Romy Campe

Romy Campe ist eine von den Künstlerinnen, die traditionell mit Pinsel und Ölfarben auf Leinwand malen. Großflächig bezieht sie sich auf die Kunst der Vergangenheit, und macht sie zu einem modernen und zeitgenössischen Mittel, um sich selbst auszudrücken: In ihren Bildern kommuniziert sie das Gefühl des Expressionismus, die Bewegung des Futurismus, den Surrealismus „stravaganza“ und auf der Basis ihrer soliden künstlerischen Ausbildung, bezieht sie sich auf die klassischen Meister -vor allem Goya. Dabei behält sie jedoch immer ihre sehr persönliche Sichtweise.

„Augenblicke“ – der Titel der präsentierten Werkreihe – spielt mit der doppelten Bedeutung dieses Wortes: Es geht um kurze Momente und es geht um Gesichter von Menschen, deren innerste Gefühle sich in ihren Augen widerspiegeln. Diese Momentaufnahmen sind das Hauptthema der Ausstellung. Romy Campe: „Durch die Augen kannst Du in das Innere der Menschen sehen, die Augen sind der Spiegel unserer Seele.“

Die inspirierende Idee einen Kunst-Salon zu eröffnen und es zu einem Ort der Diskussion und der Präsentation vom Kunst zu machen und damit die berlineigenen Qualitäten zu nutzen, hat es somit den Künstlern Romy Campe und MASCH ermöglicht, ihre anfänglichen Schwierigkeiten in Berlin zu überwinden, weiter ihre Kunst zu leben und dabei andere Kunstformen zu fördern.

Das zielgerichtetere Netzwerken des letzten Jahres hat einen Domino-Effekt ausgelöst. Mittlerweile ist eine längerfristige Planung möglich und das Team wurde um die Kulturmanagerin Mechthild Alpers verstärkt, um die gestiegene Arbeitslast bewältigen zu können. Die Zahl der Künstler, die im Salon ausstellen oder auftreten möchten steigt ständig.

Obwohl das Herz des Salons immer in Berlin und Deutschland sein wird, werden sich die Kontakte mit neuen Märkten verstärken: Die Vereinigten Staaten, Mexiko und Italien sind die nächsten Ziele. Es werden bereits Gespräche geführt. Wenn Kreativität, Pragmatismus und vor allem Leidenschaft und der Wille etwas umzusetzen in der richtigen Mischung zusammenkommen, kennt Kunst keine Grenzen und spricht nur eine einzige Sprache – die der Gefühle.

Dario Deserri

Übersetzung Mechthild Alpers